Zu Gast in Äthiopien…kulinarisch!


Einem Koch mit gewissen kulinarischen Ansprüchen etwas Besonderes aus dem gastronomischen Bereich zu schenken, ist, zugegebenermaßen, wirklich schwer, erst recht, wenn ICH dieser Koch bin 😆 ! Doch meine langjährige Freundin Karin und ihr Mann hatten eine tolle Idee und so schenkten sie mir zum Geburtstag einen gemeinsamen Besuch in einem äthiopischen Restaurant in Düsseldorf.

Bis heute hatte ich keinerlei Kontakt zur äthiopischen Küche. Im Vorfeld fragte ich mich, was dort wohl an Nahrungsmitteln verarbeitet wird. Meine Vorstellungen von diesem Land, das im Nordosten Afrikas, westlich von Somalia liegt, waren eher von Wüste und trockenem Gebirge geprägt. Kurz gefasst: Ich googelte nicht großartig nach traditionellen Gerichten des Landes, sondern wollte mich überraschen lassen! 😉

Der Eingang zum äthiopischen Restaurant Lucy Abyssinia in DüsseldorfWir betraten das Düsseldorfer RestaurantLUCY ABYSSINIA“ im Stadtteil Flingern kurz nach 18:00 Uhr und wurden mit einem Schwall von Weihrauch empfangen, der in der Luft lag. Ungewöhnlich, verbinde ich doch eher Weihnachten und Kirche mit diesem Duft 🙂 . Das Restaurant besteht aus drei Räumen und einem Außenbereich, in das man am Ende des Ganges durch die anderen Räumlichkeiten gelangt.

Im ersten, dem Empfangsraum, befinden sich die Theke, ein/zwei Tische und ein Schild mit der Erklärung für den Namen des Restaurants (LUCY (KLICK) ) an der Wand.
Im zweiten Raum, der eigentlich die Verbindung zwischen dem ersten und dem dritten darstellt, finden sich weitere Tische. An den Wänden hängen gezeichnete Impressionen der äthiopischen Heimat, die Tische sind sauber und landestypisch gedeckt, das Licht ist leicht gedämpft und insgesamt wirkte der Raum ausgesprochen gemütlich und gastlich auf mich.

Speisekarte im äthiopischen Restaurant Lucy Abyssinia in DüsseldorfDer Service-Mitarbeiter kam sehr freundlich und offen auf uns zu und reichte uns die informative und offensichtlich in landestypischem Stil gestaltete Speisekarte. Neben typischen Gerichten des Landes, finden sich dort auch Speisen, die sich an weniger experimentierfreudige Gäste richten. Einen gemischten Salat bekomme ich allerdings auch in jedem Bistro und dafür würde ich nie ein äthiopisches Restaurant besuchen. Ich wollte landestypische Gerichte probieren und so wählte ich als Vorspeise Ayib und Gomen mit ofenfrischen Baguettescheiben (Erläuterung siehe Foto). Als Hauptgang teilten Karin und ich uns eine große Platte mit verschiedenen Fleischsaucen, die auf Ingera, dem typischen Fladenbrot des Landes, angerichtet waren.

Hauptgang gemischte Platte im äthiopischen Restaurant Lucy Abyssinia in DüsseldorfDas Ingera entspricht allerdings nicht unserer typischen Vorstellung eines Fladenbrotes, vielmehr ist es eine Art Crepe. Von diesem weichen Brot reißt man sich Stücke heraus und nutzt sie als „Besteck“ oder füllt sie mit verschiedenen Fleischsaucen (fruchtig, scharf, mild…) und rollt das Ganze dann zusammen. Der Service-Mitarbeiter sagte uns:“Probieren Sie einfach aus, kombinieren Sie, wie Sie mögen! Viel Spaß!“ Das gefiel mir…kulinarisches Ausprobieren liegt ja in der Natur der Köche 😉 . Karins Mann hatte sich eine vegetarische Platte bestellt, die ähnlich wie unsere angerichtet war.

Ich hatte rrrrrrichtig Hunger und dachte zunächst, von diesem „Bisschen“ würden wir zwei nie satt werden. Falsch! Das Ingera sättigt ausgezeichnet und was mich besonders freute, ich hatte nach dem Essen nicht das Gefühl, Steine im Magen zu haben, was meiner Erfahrung nach daraufhin deutet, dass frisch und ohne Geschmacksverstärker, Konservierungs- oder Zusatzstoffe gekocht wurde und das Essen wohl recht fettarm war. Klasse!

Vorspeise: Ayeb (äthiopischer Frischkäse, angemacht) und Gomen Spinat und Grünkohl) im äthiopischen Restaurant Lucy Abyssinia in DüsseldorfAber Moment, ich hatte ja die Vorspeise übersprungen 🙂 . Dass Spinat und Grünkohl landestypisch sein sollten, hatte mich überrascht, aber nach Rückfrage wurde mir bestätigt, dass es sich bei Gomen wirklich um ein klassisch äthiopisches Gericht handelt, womit ich mein Äthiopien-Vorurteil von Trockenheit, steinigem Gebirge und Wüste wohl revidieren muss 😉 . Und lecker war`s! Die Mischung aus Spinat und Grünkohl war würzig und leicht geschärft abgeschmeckt, ohne aufdringlich zu sein. Mit dem Käse war es nicht anders. Dazu das lecker geröstete Brot…also wirklich…extrem schmackhaft und eine geniale Idee für eigene Gerichte in dieser Kombination 🙂 .

Die drei Desserts (überwiegend Eis) auf der Karte enttäuschten mich allerdings. Als ich das beim Service-Mitarbeiter ansprach, erklärte er mir, dass es in Äthiopien eigentlich keine landestypischen Desserts gäbe. Okay, gebongt 🙂 . Und schließlich hatte ich ja noch ein herrliches Stück Milchreiskuchen von meiner Lieblings-Kuchenbäckerin Karin dabei, das sie mir zu Beginn unseres Treffens überreicht hatte  😉 .

Übrigens…zum Essen tranken wir das landestypische Tej (gesprochen: Tädsch), ein alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk aus Honig, von dem ich glaube, dass man es entweder mag oder nicht! Es hat einen gewöhnungsbedürftigen, fremden Geschmack. Auf der Rückfahrt von Düsseldorf nach Bochum überlegte ich die ganze Zeit, wie ich diesen Geschmack beschreiben soll und kam schließlich zu dem Ergebnis: Probiert es einfach! 😉 Natürlich gibt es im LUCY ABYSSINIA auch konventionelle Getränke und Altbier 🙂 .

Zum Schluss wurde uns ein äthiopischer Schnaps gereicht. Meine Herren, der brannte gut im Abgang, tat aber gut! Persönlicher Tipp: Wer noch Autofahren muss, sollte den Schnaps in Verbindung mit dem Tej besser weglassen 😉 .

Fazit: Spannend!

Es sind die einfachen Dinge, die uns im Leben wieder öfter und intensiver begeistern und für die wir ein offenes Auge haben sollten! Das hatte ich schon während meines Gran Canaria-Urlaubs erlebt, als wir in einem, überwiegend von Einheimischen besuchten Restaurant zu Gast waren und von den kleinen kulinarischen Köstlichkeiten begeistert waren!

Ich bin immer wieder glücklich darüber, dass ich ein Mensch bin, der sich gerne auf neue, fremde kulinarische Dinge einlässt, denn wenn ich das nicht könnte, wäre mir heute wirklich ein herrliches Erlebnis entgangen!
Die Gastfreundschaft im LUCY ABYSSINIA ist grandios und allzu gerne würde ich mir diese natürliche Freundlichkeit und Aufmerksamkeit in vielen anderen gastronomischen Betrieben wünschen!
Das Restaurant mag zunächst schlicht, von außen fast unscheinbar wirken, aber die Schönheit der Details in den Räumlichkeiten entdeckt jeder, der sich mit ein wenig Aufmerksamkeit umschauen mag. Das einfach wirkende Essen überrascht, denn die Speisen haben etwas richtig Leckeres, weil sie interessant und abwechslungsreich abgeschmeckt sind und damit auf dem Teller eine ungewöhnliche Vielfalt geboten wird, wenn man die Probierplatte wählt.
Das Ambiente gefiel mir sehr gut und wir fühlten uns wohl im LUCY ABYSSINIA.
Die Preise liegen in einem angenehm bezahlbaren Bereich.
Wer einmal etwas Außergewöhnliches probieren möchte und vielleicht nicht nur einmal, denn es gibt eine ganze Reihe spannender Gerichte von der Karte zu probieren, der sollte diesem kleinen Restaurant in Düsseldorfs Stadtteil Flingern unbedingt einen Besuch abstatten!

LUCY ABYSSINIA, Lindenstraße 69, 40233 Düsseldorf, Website


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